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                                 Luxus Hotellerie und Ökologie: ein Widerspruch?

Prof. Dr. Bodo Kluxen und

Frau Eva-Miriam Gerstner

März 2016

 

Nachfolgend wird aus der aktuellen Diskussion um das Thema Luxus und Ökologie eine Übersicht zu verschiedenen Wirtschaftsbereichen gegeben. Anschließend wird am Beispiel Luxushotellerie das Thema im Sinne eines zukunftsfähigen Konzeptes näher beleuchtet.

 

 

Öko ist schick. Öko ist ein Statement. Und Öko ist mittlerweile ein ganz eigener Lifestyle geworden. Was sich vor mehr als 10 Jahren in der Fashion-Szene etablierte, und in den letzten Jahren in den Metropolen weltweit gehypt wurde, findet nun auch mehr und mehr seinen Platz in allen anderen Konsum- und Produktbereichen.

 

Öko-Food, Öko-Drinks, Öko-Design, Öko-Autos – alles 100% im Einklang mit der Natur, nachhaltig, CO2 neutral, gut für die Umwelt, und vor allem: gut und gesund für uns, die Konsumenten. Und für unser Gewissen. Jeder möchte die Welt ein Stück besser machen. Das ist gut für das eigene Karma und erzählt sich auch gut am Stammtisch.

 

Der Begriff Ökologie ist mittlerweile komplett raus aus der Müsli Ecke, wurde in den letzten 10-15 Jahren transferiert in ein neues Trend- Wellness- und Lifestyle Refugium von umweltbewussten Trendsettern und Menschen, die sich dafür halten, rein in einen Nachhaltigkeits-Kosmos, in dem eine grüne Geisteshaltung mehr und mehr zu einem coolen Lifestyle avanciert: Öko ist cool.

 

Lange Zeit war der Begriff Ökologie zweideutig oder sogar negativ belastet, wurde er doch in Verbindung gebracht mit miefigen, grauen Klamotten, die an schlecht gelaunten, in der äußeren Erscheinung eher ungepflegten Personen hingen, die den Spaß am Leben verloren hatten. Zu lachen gab es hier nichts. Oder nichts mehr. Das Thema war ernst.

Genuss, Design oder gar Luxus waren wohl bis dato die letzten Worte, die man mit diesem Oberbegriff in Verbindung gebracht hätte.

 

Heute ist das alles anders. Trendbüros und internationale Lifestyle-Experten sagen voraus, dass Menschlichkeit, Umweltproblematik und Nachhaltigkeit in Zukunft den gelernten Luxusgedanken und -konsum ersetzen bzw. ergänzen werden.

Es geht nicht mehr nur um materielle Luxusobjekte, wie Gold, Kaviar, eine Rolex oder einen Bentley. Dinge, die sich nur wenige Menschen leisten können. Im Luxussegment geht es mehr und mehr darum, sich Produkte oder Erlebnisse zu gönnen, die man sich nicht, oder nur schwer kaufen kann. Und genau das kann sich nur eine äußerst kaufkräftige Zielgruppe leisten.

 

Der Luxusbegriff unterliegt einem starken Wandel. Weg von materiellen Luxusgütern, die sich prinzipiell jeder kaufen (oder leasen) kann, hin zu Dingen, die nur schwer erreichbar sind.

 

Im Spiel um Trends, Lifestyle und Luxus spielt das Thema Ökologie über alle Zielgruppen hinweg, eine große, wenn nicht sogar entscheidende Rolle. Sich Etwas zu gönnen, das Leben zu genießen und dabei noch Gutes zu tun, ist ein Erfahrungswert, den es bisher in keiner Lifestyle- oder Trendexpertise so gegeben hat. Wir werden alle zu Weltrettern, verbessern durch unser Tun und Handeln, und vor allem durch unseren Konsum, unsere Erde, unseren Lebensraum, anstatt ihn, wie viele Jahre zuvor, immer mehr und mehr auszubeuten und zu zerstören.

 

Ein besseres Gewissen im Rahmen unseres Konsumverhaltens gibt es nicht. Das hätte niemand besser erfinden können.

 

Kein Wunder, dass Ökologie als Währung des neuen Luxusgedanken gehandelt wird. Jeder unabhängig seiner Herkunft möchte mitspielen: die Oberliga der Superreichen, die Trendsetter und Lifestyler der Metropolen, bis hin zur Masse, die ihre Öko-Entscheidungen an der Supermarktkasse trifft.

 

Jeder kann und will dazu beitragen, den Planeten Erde ein bisschen besser zu machen. Das ist auch relativ einfach, wenn auch nicht unbedingt kostengünstig. Aber Gutes tut man ja gerne, da darf es auch ruhig ab und an etwas kostspieliger sein. Zumindest wenn man dazugehören möchte. Und das möchten Viele.

 

Dabei hat der Begriff Umweltbewusstsein den Hippness-Kosmos schon wieder verlassen, ist auch nicht mehr nur ein Teil der trendgepeitschten Avantgarde- Elite.

Ökologie ist nicht mehr nur cool und hip, sondern wird mehr und mehr auch als Lifestyle-Statement gehandelt.

Je grüner und je mehr öko, desto hochwertiger, exklusiver und teurer werden die Produkte. Und somit schließt sich der Kreis zu den Spielwiesen einer sehr exklusiven, wohlhabenden Klientel, auf der sich „Normalos“ dann wirklich nicht mehr tummeln können. Diese Gruppe darf in Zukunft schlicht nur davon träumen.

 

Der Automobilbauer Tesla macht es uns vor. Und befindet sich in der Produktplatzierung mitten in einer Zielgruppe wieder, die mit der neuen Öko-Mainstream-Avantgarde-Haltung genau den Nerv der Zeit trifft. Und die vor allem das nötige Kleingeld besitzt, um diese Fahrzeuge auch zu kaufen. Öko ist mittlerweile mehr als eine Haltung, Öko zeigt auch nach außen, dass man sich diese grüne Einstellung leisten kann: Luxus als Geisteshaltung löst die bisherigen Statussymbole ab.

 

Untermauert und befeuert werden diese Luxusprodukte durch zumeist amerikanische Role Models, wie Leonardo di Caprio, der grüne Weltverbesserer, der coram publico mit einem blonden Model in LA in seinen Tesla steigt, oder auch David de Rothschild, der mit einem aus gebrauchten PET Flaschen gebauten Boot den Pazifik durchkreuzt. Die weltweite PR ist beiden Herren mehr als sicher. Und lenkt die Aufmerksamkeit auf eine ganz bestimmte Kernbotschaft: man kann auch gut aussehen, wenn man Gutes tut!

Aber „öko“ muss man sich leisten können.

 

In dieser neuen Nachhaltigkeit ist viel Geld im Spiel.

Der strategische Konsum und ein nachhaltiger Lebensstil haben ihren Preis. Das wissen die Unternehmen. Und das merkt die Masse an der Supermarktkasse, die Fashion-Elite bei Colette in Paris und bei Harolds in London, wo Öko-Mode zu Höchstpreisen verkauft wird

und mittlerweile auch der umweltbewusste Reisende, der nicht mehr bereit ist einen all zu großen CO2 Abdruck auf seiner Reiseroute zu hinterlassen.

 

Öko-Luxusresorts, CO2 neutral, im Einklang mit der Natur, mit eigener Wasseraufbereitung und selbst generiertem Strom sind DER Trend in der Branche  - für ein konsumfreudiges Klientel, die bereit sind, sich diesen Luxus zu leisten. Der Reisepreis pro Woche und Person übersteigt teils gut und gerne den Neupreis eines Mittelklassefahrzeuges.

 

Nach Fashion, Food und Automobil, hat sich der Begriff Ökologie  in den letzten 15 Jahren auch in der Hotel- und Reisebranche immer weiter etabliert. Als Vorreiter und Mitbegründer dieser Bewegung sind sicherlich die Six Senses Ressorts zu nennen. Eva Malmström Shivdasani, bezeichnender Weise ein ehemaliges Model aus Schweden, und ihr Mann Sonu bauten das erste Öko Resort auf den Malediven. Sie verwirklichten sich einen Traum, klein bescheiden, aber richtungsweisend. Baumbestandschonend, alles aus natürlichen Produkten, inkl. Luxus-SPA und Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten.

Der Hype war geboren. Mittlerweile gibt es mehr als 10 Resorts und SPAs der innovativen Hoteliers. In Thailand, auf den Malediven, im Oman, auf den Seychellen – einfach an den schönsten Orten der Welt.

Die Marke ist erwachsen geworden, professionell geführt, PR-technisch hoch performant, die Marke überdurchschnittlich positioniert und alle Zeichen stehen auf weitere Expansionen. Was immer geblieben ist, ist das ökologische Kernstück, welches die Marke ausmacht, der Respekt vor der Natur, das Luxusleben in der Natur und die damit verbundenen einmaligen Erlebnisse.

 

Andere große Hotelbrands und Einzel-Hoteliers ziehen nach. Die Produktrange ist vielfältig, vom Luxus SPA in Thailand, über Luxus-Camping in Südafrika bis hin zur exklusiv mietbaren Öko-Insel auf den Malediven, jeglicher Luxus ist mittlerweile denkbar und im Angebot. Alles im Einklang mit der Natur und der Umwelt.

 

Im April 2016 wird beispielsweise Thanda Island vor Tansania eröffnet: das schwedische Investoren Ehepaar Christin und Dan Olofsson verwirklichte sich auch einen Traum, und zukünftig wird das komplett nachhaltige Inseldomizil auch Gästen und Freunden exklusiv zur Verfügung gestellt.

 

Eine bessere PR Maschinerie hätte sich die Insel North Island auf den Seychellen nicht wünschen können: William und Kate, das Glamour Paar des englischen Königshauses, verbrachte dort seine Flitterwochen. Und das alles in einem ethisch sehr korrekten Umfeld. Die Insel wirbt damit, „die Umwelt in der wir leben und arbeiten, mehr zu schützen als alles andere“ und bezeichnet sich selbst als naturschutzorientiertes und ethisch motiviertes Unternehmen. Den Gästen wird die Teilnahme an speziellen Umweltschutzprogrammen und am Rettungsprogramm der inseleigenen Flora und Fauna angeboten, 5 Sterne Luxus-Treatments wie ein Dinner unterm Sternenhimmel, aber auch Erlebnisse wie schnorcheln, Kayak fahren, Kitesurfen etc. sind natürlich auch im Inselprogramm enthalten.

 

Ein ganz besonderes Resort der Öko-Luxusklasse eröffnete Ende 2015 in Australien: das Emirates One&Only Wolgan Valley ist das erste Hotel der Welt, welches über Carbon Zero als klimaneutral zertifiziert wurde. Unternehmen, die sich dieser Zertifizierung verschreiben, verbessern ihre Emissionswerte, optimieren den Energie-Wasser- und Stromverbrauch und managen und verbessern die anfallenden Müllwerte.  

 

The Brando Tahiti wurde vom Namensgeber selbst gegründet und unterstützt. Marlon Brando war der Historie nach zum ersten Mal während der Dreharbeiten zu „Meuterei auf der Bounty“ auf Tahiti, verliebte sich in das Herz von französisch Polynesien und schuf dort 1999 ein Öko Refugium der Extraklasse. Der Schutz der Natur und der Artenvielfalt hat hier oberste Priorität, aber auch die Kultur und Kunst der polynesischen Einwohner wird gefördert, unterstützt und den Gästen näher gebracht.

 

Auch Shangri La, eine der größten und markenstärksten Luxushotelketten der Welt, stößt mit dem Vilingilli Resort auf den Malediven seit der Eröffnung 2012 in genau diese Marktlücke: die Unterstützung von lokalen Bauern, Ausbildungsförderung von einheimischen Jugendlichen, Sport- und Behindertenförderung in der Region werden groß geschrieben. Das Resort integriert sich in das gesellschaftliche Leben vor Ort, soziale Kompetenz ist nicht nur ein Marketingschlagwort, sondern wird dort auch so gelebt.

 

Der Green Globe Zertifizierung in den Bereichen nachhaltiges Management, soziales und faires Wirtschaften, die Unterstützung und Förderung lokaler Kunst und Kultur und Umweltschutz hat sich das Constance Ephelia Resort in Mahe auf den Seychellen verschrieben.

 

 

 

Die Oetker Collection betreibt mit Fregate Island auf den Seychellen eine private Insel, bei der es in erster Linie darum geht, ein besonders seltenes Fleckchen Erde zu bewahren. Fregate Island hat sich dem Konzept „farm to table“ bzw. „sea to table“ verschrieben: 80% des zubereiteten Fischs stammt aus eigenem Fang. Fast das gesamte verwendete Obst und Gemüse, annähernd 98%, wird in den Plantagen auf Fregate Island selbst kultiviert. Aus Spanien importierte Erdbeeren sucht man daher vergebens. Eine Aufbereitungsanlage klärt Abwässer zu 95% reinem Wasser, das zur Bewässerung der Pflanzen verwendet werden kann. 

Um diese Themen und den Schutz der Inselflora und –fauna kümmert sich permanent ein Team von 25 fest angestellten Mitarbeitern plus 4-6 Praktikanten.

So wurde der Seychellen-Dajal, eine im Jahr 1970 weltweit nur noch mit 16 Exemplaren auf Fregate Island vertretene Vogelart, vor dem Aussterben bewahrt. Durch intensive Bemühungen wuchs auch die Population der Aldabra-Riesenschildkröten in den letzten 20 Jahren auf über 2.200 Exemplare; die dortigen Brutstätten der vom Aussterben bedrohten Hawksbill-Schildkröten werden aktiv geschützt.

Unlängst wurde Fregate Island Private in den exklusiven Kreis der National Geographic „Unique Lodges of the World“ aufgenommen. Das ist wirklich unique und Luxusreisende aus der ganzen Welt schätzen dieses Konzept.

 

 

Mehrfach ausgezeichnet und preisgekrönt, allen voran auch aufgrund des nachhaltigen Designs, ist das Ecocamp in Patagonien. Das Ecocamp gilt als Benchmark des Öko Tourismus. Der Luxus besteht im Camp darin, beim Fliegenfischen, auf Reitexkursionen und Wanderungen eins mit der unverfälschten Natur zu werden. So werden unvergessliche Erlebnisse geschaffen, die man in einer anderen Umgebung nicht erfahren kann.

 

Aber auch der deutschsprachige Raum bietet Öko Konzepte im Luxussegment an: das Naturresort Schindelbruch, Schloß Wartegg oder das Naturhotel Waldklause warten nicht unbedingt mit den wohlklingenden Namen der Inselkonkurrenz auf, aber auch hier wird Nachhaltigkeit großgeschrieben, Umweltschutz und Naturbewusstsein gefördert und das Hotel immer im Kontext der Region integriert.

 

Ein Highlight im neuen Öko Bewußtsein stellen mit Sicherheit die Betriebe der Familie Binder-Egger im Zillertal dar:  das Essen kommt direkt aus der Region, das Design der Luxus-Chalets ist 100% nachhaltig. Energieeffizient. Nahezu CO2 neutral. State of the Art Öko-Vorzeigebetriebe gekleidet in modernes Design. Im Zillertal. Und die Expansion wird schon in der nächsten, der 4. Generation vorangetrieben. Das Öko Geschäft lohnt sich.

 

 

Ob nun auf den Malediven, in Tahiti, in Chile, Australien, in der Schweiz oder im Zillertal – alle Luxusunterkünfte vereinen den Ökologie Gedanken mit dem Anspruch und den Amenities der Luxushotellerie. Das höchste Niveau der Gästeunterbringung inklusive aller Annehmlichkeiten, die diese Art der Hotellerie zu bieten hat, inkl. Schutz der  Natur, Förderung der Region und nachhaltigem Managementprogramm.

 

Ökologie ist im High-Class Segment angekommen. Hat sich sogar einem derart krassen Wandel unterzogen, dass man diesen Wirtschaftssektor sogar im Luxussegement ansiedeln kann. Durch eine veränderte gesellschaftliche Grundhaltung, durch Wertewandlungen innerhalb einer Generation und natürlich auch durch  Role Models, die bewusst oder unbewusst PR technisch die Trendmaschinerie angefeuert haben.

 

 

 

 

 

Das Konzept „Luxus Ökologie“ hat natürlich seinen Preis. Das exklusive Urlauben in der unberührten Natur schlägt international mit Preisen von bis zu 10.000 Dollar pro Nacht zu Buche. Im deutschsprachigen Raum sind Hotelnächte in diesem Segment schon ab 400 Euro im Doppelzimmer buchbar, jedoch ist dann auf kristallklares Wasser, tropische Temperaturen und die bunte Vielfalt der Flora und Fauna subtropischer Inselketten zu verzichten.

 

Exklusives Hoteldoppelzimmer auf dem Land oder Öko-Lodge auf einsamer Insel - Exklusivität hat seinen Preis, obwohl das Konzept Nachhaltigkeit überall im Vordergrund steht.

Weltweit existieren zahlreiche Hotelkonzeptionen, die sich im Luxussegement angesiedelt haben und deren Brand Core auf einer nachhaltigen Strategie basiert. Je tropischer und je einsamer die Einrichtungen sind, desto teurer und somit exklusiver werden die Übernachtungsraten – und desto anspruchsvoller wird auch das Gäste-Klientel.

 

Doch rechtfertigt nun eine Umgebung, die als Postkartenvorlage dienen kann, diese atemraubende Preisstruktur? Kosten Nachhaltigkeit und Fairness wirklich so viel Geld? Oder ist das Pricing rein aus strategischen Gründen so hoch angesiedelt, um eine künstliche Verknappung bewusst herbeizuführen, die das ganze Produkt wiederum noch exklusiver macht?

 

Aus der Sicht von Investoren und Bauträgern ist es sicherlich so, dass ein Erwerb von Inseln oder anderen einzigartigen Baugründen nicht zu den kostengünstigsten Erwerbsformen gehören. Schwere Bebaubarkeit, eine kompliziert zu organisierende Infrastruktur hin zum Ort der Bebauung, diverse Auflagen (die man sich aufgrund der Nachhaltigkeitsstrategie evtl. aber auch selbst auferlegt) und im späteren Verlauf betreibergetriebene Probleme (z.B. Wie kommt der französische Wein auf die Insel?....) treiben die Erstellungskosten in die Höhe. Und finden Niederschlag in den hohen Hotelraten.

Um die Rentabilität zu sichern ist eine hohe Auslastung maßgeblich. Der USP der Einzigartigkeit, den man durch eine naturbelassene Umgebung erzielt, erhöht den zu erwartenden Umsatz und generiert damit wieder Profite in der Rentabilität. Eine einfache Rechnung.

Ohne USP jedoch kann dies ein schwierigeres Unterfangen im Luxussegement sein.

 

Ohne Hotelketten, Investoren oder Privatinsel-Besitzern einen Vorwurf machen zu wollen, festzustellen ist, dass eine Inselübernachtung in dieser Preiskategorie letztlich besser zu verkaufen ist, mit einer schönen Geschichte rund um die Natur, mit bunten Tieren und Förderung von sozialen Projekten der Region, als ohne.

Das ist das erlernte 1mal1 der PR Arbeit. Dient zur Verkaufsförderung. Das ist bei dem Nutella Glas im Supermarktregal auch nicht anders.

Tu Gutes und spreche darüber. Regel Nummer 1 in der PR. So hat Corporate Social Responsibility zwischenzeitlich einen elementaren Stellenwert in Unternehmen jeder Art.

 

Ein klarer Markenkern, eine klare Botschaft, verpackt in ein schönes Design hilft dem Verkaufsteam ungemein bei der Ansprache der potentiellen Zielgruppe. Und man tut auch noch Gutes dabei. Sowohl der Investor, als auch der Betreiber, als auch letztlich der Gast mit seinem Aufenthalt – ein schönes Spiel im gehobenen Luxussegment zu Gunsten der Natur. Dem ist nichts entgegen zu bringen. Das ist löblich und sollte gefördert werden, sollte man das nötige Kleingeld besitzen. Dafür bekommt man ein Erlebnis der Extraklasse, ein Naturschauspiel und Erfahrungen und Eindrücke, die wirklich einzigartig sind. Und genau um das geht es letztlich: um die Kreation von seltenen Erlebnissen, die nicht für jeden erreichbar/leistbar sind. Das ist großes Kino, das ist teuer, das ist Luxus. 

 

 

 

ABER macht sich dieser exklusive Zielgruppenkreis wirklich Gedanken um die Natur, um die Menschen in der Region, um den Schutz der Tierwelt? Ist Nachhaltigkeit und Ökologie hier wirklich ein entscheidendes Kriterium, die Reise zu buchen? Oder möchte man evtl. „nur mal schauen kommen, weil es da so schön ist“?

Wählt dieser Kundenkreis Destinationen danach aus, in dem Wissen darin, dass man mit seiner Reise auch Gutes tut? Möchten diese Menschen wirklich eine Öko-Identität annehmen? Ist das eine bewusste Entscheidung dieser Zielgruppe?

 

Oder ist es nicht vielmehr ein Privileg der Superreichen sich Dinge zu leisten, die sich sonst keiner leisten kann? Sie erkaufen sich Privatsphäre, Einsamkeit, Ruhe, Exklusivität, ohne auf irgendeine Annehmlichkeit des Luxuslebens verzichten zu müssen.

Und dazu sieht man noch die eine oder andere Riesenschildkröte am Balkon vorbeischlürfen, bestaunt bunte Korallenriffe im glasklaren Wasser, während man beim blutroten Sonnenuntergang Champagner serviert bekommt. Diese Zielgruppe erkauft sich ein einzigartiges Naturerlebnis, da sie alle anderen Erlebnisse schon kennt. Und das Naturerlebnis ist wiederum nur so einzigartig, weil die Nachhaltigkeitsstrategie sich Auflagen unterworfen hat, die eine solch einzigartige Kulisse überhaupt noch ermöglichen.

 

Wie auch immer, der Kreis schließt sich.

 

Auffällig ist jedoch, die Öko Resorts gehen mit ihrer Nachhaltigkeitsstrategie kommunikationstechnisch nicht lautstark hausieren. Man schreit nicht auffällig „Hallo ich bin Öko!“ – in nahezu allen Pressemitteilungen wird im letzten Absatz etwas über die Öko-Strategie oder „unsere Verantwortung“ geschrieben, auch auf den Webseiten stehen diese Themen immer ganz unten, bzw. gibt es einen extra Reiter unter all den anderen zum Thema „Nachhaltigkeit“.

Man verwendet das Wort „Öko“ insgesamt sehr sparsam. Keines dieser Hotels hat als Aufmacher auf deren Webseiten die Öko Strategie ganz vorne, ganz groß und ganz klar dargestellt, alles ist dezent, elegant und vornehm verpackt. Es wird der Anschein erweckt: Nur nicht zu viel des Guten.

 

Verschreckt man sonst vielleicht die Zielgruppe?

Sooo öko möchte man ja evtl. doch auch nicht sein. Das könnte vom Luxusgedanken ablenken.

Ist im Umkehrschluss hier „öko“ evtl. doch noch nicht so ganz aus der miefigen Ecke ausgetreten? Rechtfertig alleine das Wort Ökologie nicht die gesamte Preisstruktur? Ist es in diesem Bereich sogar ein Gegenspieler, der nett an der Seite platziert durchaus seine Daseinsberechtigung hat, aber alleine nicht ausschlaggebend ist, um in dieser Zielgruppe einen Kaufimpuls auszulösen?

Fakt ist, dass die Jahresauslastung dieser Luxusobjekte durchaus noch Luft nach oben hat. Im Durchschnitt. Weltweit. Die Zielgruppenansprache ist in der Kommunikation sensibel und nicht einfach erreichbar. Die Luft wird nach oben immer dünner. Das stellt Marketingexperten und Vertriebsprofis vor ganz neue Aufgaben. Cross-Selling, mit anderen Produkten aus der Markenvielfalt großer Hotelkonzerne heißt wohl momentan eine der Schlüssellösungen der Großunternehmen. Man verkauft im Package diverse Produkte an den Reisenden und dieses beinhaltet dann auf einer 14-tägigen Reise auch einen Aufenthalt im Öko-Resort. Ein Alleinstellungsmerkmal ist dies aber dann im Endeffekt nicht für das Öko-Hotelprodukt. Vielmehr ein nettes Seitenprodukt.

 

Die Lösung kann darin liegen, diesen Konzepten losgelöst von allen anderen Produkten die Einzigartigkeit zu geben, die das Produkt rein charakteristisch auch per se besitzt.

Die neue Öko-Elite. Eine klare Kommunikationsstrategie ausgerichtet auf das Herz des Produktes. Öko als klares Kommunikations-Statement, ganz vorne, plakativ und laut auf den Pressemitteilungen und Webseiten der Luxus-Resorts.

 

Wir sind öko, weil wir nur deshalb so gut aussehen, weil wir so sind. Wir haben Verantwortung und tragen diese auch nach außen. Tue Gutes und spreche darüber. Klar und deutlich. Und laut. Das PR 1mal1.

 

Die Kommunikation MUSS klar und deutlich und offensiv sein, Erklärungen liefern, Bewusstsein wecken – Storytelling - und muss beim Kaufwilligen eine klare Entscheidung hervorrufen, dass man dieses Produkt genau aus diesem Grund und keinem anderen einkauft.

 

Das Kommunikationsergebnis muss sein, die Gesamtheit dieser sehr eingeschränkten Zielgruppe mit genau diesen Botschaften anzusprechen, sie nachhaltig davon zu überzeugen, dass der Wert einer solchen Luxusdestination nicht nur ein materieller Austauschwert ist für ein einzigartiges Erlebnis, sondern dass man damit auch aktiv Botschaften verbreiten kann, dass Naturschutz und Nachhaltigkeit in allen Bereichen auch lohnenswert ist.

 

Dieser Bewusstseins Vorsprung, der dann in der Zielgruppe generiert werden kann, kann perfekt für eine „mouth-to-mouth“ Kommunikation genutzt werden, Empfehlungsmarketing auf höchstem Niveau. Aber dafür benötigen die Konsumenten Geschichten, Fakten, Hintergrundinformationen, und nicht nur Randinformationen.

 

Der Nischenmarkt in dem sich diese Luxusprodukte befinden ist in der Tourismusbranche durchaus eng. Um einen entsprechenden RevPAR (zu deutsch: Erlös pro verfügbarer Zimmerkapazität) seitens des Betreibers bzw. eine entsprechende Rendite seitens des Investors auszulösen, müssen die Raten aus oben genannten Gründen hoch angesetzt werden, auch um die Exklusivität zu wahren.

 

Die reine Konzentration auf die herkömmlichen Sales Strategien wird im Nischenmarkt zukünftig keine bedeutenden Zuwächse mehr hervorrufen. Zu schnell dreht sich der Markt, zu viele Produkte werden in diesem Segment neu auf dem limitierten Marktplatz eröffnet.

Branding, Image, Kommunikation und PR sind entscheidende Faktoren für eine wirtschaftlich erfolgreiche Basis dieser Produkte. Nur wer sich hier durchsetzen kann und auf eine klare Öko Kommunikation setzt, wird die Zielgruppe für sich gewinnen und auch einsetzen können.

 

Öko ist in unserer Branche immer noch ein Trend. Ein Trend der zwar im Luxussegment angekommen ist. Die Zielgruppe braucht aber noch größere Hypes, mehr Kommunikationsinput, bessere Geschichten und (noch mehr) lautstarke Vorreiter. Die Avantgarde der Öko-Luxus Touristen ist gefragt!

 

Da sind die Zielgruppen an den Supermarktkassen schon weiter – die Adaption der grünen Geisteshaltung gehört hier schon zum Lifestyle. Ein Schulterblick, wie man in anderen Branchen aus einem Trend vor allem kommunikationstechnisch eine Geisteshaltung entstehen lässt wird sich für die Marketingverantwortlichen der Öko-Luxus-Resorts in direkte ROIs in der Zielgruppe niederschlagen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über die Autoren:

Eva-Miriam Gerstner

Sie eröffnete als jüngste Hotelchefin in Deutschland 2004 das Q! in Berlin und machte daraus das beste Designhotel der Welt. Eva-Miriam Gerstner kreierte dort einen Melting Pot für Stars und Kreative. Jetzt gibt sie mit ihrem „Büro Gerstner“ www.buero-gerstner.com ihr breites Know-how über Hotels, Gastronomie und Tourismus von der Konzeption bis hin zur Neuausrichtung als Beraterin, und seit 2008 regelmäßig auch als TV-Expertin an Inhaber, Investoren und Manager weiter. Zuletzt war sie 2015 in der erfolgreichen TV Show „Restaurant start-up“ als Coach zu sehen. 

 

Prof. Dr. Bodo Kluxen

www.kluxen-marketing.de

Kontakt: bodo.kluxen@kluxen-marketing.de